Zwischen Dünger und Mausefallen

Im Porträt: Franz Kusnierski, Inhaber des „Samen-Franz“

Es riecht nach Dünger, eine flackernde Neonröhre erhellt den Raum. Hunderte Artikel stapeln sich bis zur Decke im Geschäft von Franz, „Samen-Franz“ Kusnierski. Der 79-Jährige ist eine Institution in Obernkirchen und betreibt seinen Laden seit nunmehr 19 Jahren. Aufhören möchte er erst, wenn es wirklich nicht mehr geht.

Aber beginnen wir am Anfang. Kusnierski wächst in Oberlübbe im Landkreis Minden-Lübbecke auf und macht bei seinem Vater eine Lehre zum Drogisten. „Ich musste mehrfach in der Woche zur Schule nach Bielefeld. Da ging es dann mit dem Fahrrad von Oberlübbe bis nach Löhne und von dort mit der Bahn nach Bielefeld“, sagt Kusnierski. Vom ersparten Geld habe er sich ein Rennrad gekauft, damit er schneller am Bahnhof war. Nach Stationen beim Bund und der Drogerie „Hartmann“ in Bückeburg, eröffnete er 1999 seinen eigenen Laden neben dem heutigen Brauhaus in Obernkirchen.

Nach einiger Zeit zog er in die Lange Straße 6, um sein Geschäft dort weiterzuführen. Vor drei Jahren ersteigerte Kusnierski das Nachbarhaus, und zog abermals um. In die Lange Straße 8, wo man „Samen-Franz“ noch heute findet.

Neulich kam eine Frau vom Landkreis, die meinte, ich dürfe hier keine Salzsäure verkaufen. Da sagte ich: ‚Junge Frau, ich bin Drogist. Ich darf alles verkaufen.

Neben allerlei Pflanzensamen hat er Pflanzenschutzmittel, Tierzubehör oder Mausefallen im Sortiment. „Neulich kam eine Frau vom Landkreis, die meinte, ich dürfe hier keine Salzsäure verkaufen. Da sagte ich: ‚Junge Frau, ich bin Drogist. Ich darf alles verkaufen“, schmunzelt Kusnierski. Salzsäure oder Düngemittel sind allerdings nur ein kleiner Teil des Angebots. In den vollgestopften Regalen tummeln sich Meisenknödel, Fliegenklatschen und sogar Weihnachtslichterketten. An der hinteren Wand des Raumes findet man außerdem einen Zeitungsständer, der unterschiedlichste Zeitschriften beheimatet. In der Ecke steht ein kleines Haus für Katzen zum Verkauf bereit. „Wenn man alles sehen will, dann muss man schon hier hinkommen“, scherzt Kusnierski und lacht herzhaft. Insgesamt hätte er rund 2000 verschiedene Artikel auf 70 Quadratmetern versammelt.

Am gefragtesten sei aktuell ohne Frage Weinhefe und Weinzubehör: „Viele ältere, aber auch immer mehr junge Leute entdecken die Faszination der Weinherstellung für sich“, erklärt Kusnierski. Einige Stammkunden kämen schon seit Jahren regelmäßig, um allerlei Gartenbedarf zu kaufen. „Manche fahren extra aus Bad Nenndorf nach Obernkirchen.“ Sie wüssten seine Kompetenz zu schätzen. „Wenn man es so lange macht, dann sollte man es aber auch langsam begriffen haben“, scherzt er.

„Ich bin ein freier Kämpfer. Ich brauche keine Unterstützung“, sagt der dreifache Vater auf die Frage, ob er Hilfe im Laden habe. „Es läuft nicht mehr so gut wie früher einmal. Das Interesse der Jüngeren an der Gartenarbeit ist, bis auf den Wein, kaum noch vorhanden. Die älteren Stammkunden sterben langsam aus oder kommen nicht mehr hoch“, berichtet Kusnierski. „Einige kommen vielleicht einmal im Jahr und kaufen Rasensamen, um die Wiese grün zu halten“. Das wäre es dann aber auch.

Er wolle trotzdem weitermachen. Und das hat eher traurige Gründe: Seine Frau sei schwer krank. Noch dazu falle seine Rente sehr gering aus. „Nur das Geld der Rente reicht vorne und hinten nicht“, konstatiert er. Deswegen seien die Einnahmen aus dem kleinen Geschäft in der Obernkirchener Fußgängerzone so wichtig für ihn und seine Frau. Er wolle deswegen weitermachen, solange es gesundheitlich möglich ist. Einen Nachfolger habe er noch nicht gefunden. „Ich gehe nicht davon aus, dass jemand den Laden in der Form übernimmt“, meint Kusnierski. Wenn irgendwann feststehe, dass er aufhört, wolle er versuchen das Haus zu verkaufen. Dann verschwände neben dem Düngergeruch auch eine echte Institution aus Obernkirchens Innenstadt.