Videotheken – aussterbende Spezies oder Goldgrube für Liebhaber?

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von Thomas Rocho

Sie tragen Namen wie „World of Video“, „Cinema Home“ oder „Empire“. Doch trotz der modern-englischen Namen wirken Videotheken heutzutage ein wenig wie Relikte aus einer anderen Zeit. Aus einer Zeit, als die Menschen noch keinen Internetanschluss hatten und keine Filme online streamen konnten. Es war einfach ein überwältigendes Gefühl, sich durch proppevolle, meterhohe und -lange Regalreihen voller Videos und Videospielen zu stöbern.

Die Branche steht aber vor existenziellen Problemen. Im Jahr 2016 wurden noch insgesamt 933 Videotheken in Deutschland gezählt. Zum Vergleich: Zu Spitzenzeiten, ungefähr Anfang der 90er Jahre, verzeichnete man über 9000. Vor allem moderne Streaminganbieter und illegale Downloads machen den Betreibern das Leben enorm schwer.

Für viele Videotheken geht es stetig bergab.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zum Beispiel untersucht im Auftrag der Filmförderungsanstalt (FFA) regelmäßig den sogenannten „Home-Video-Markt“. Auch die dabei erhobenen Zahlen sprechen für einen Trend, der den noch verbliebenen Videothekenbetreibern kaum Freude machen dürfte: Es geht bergab.

In Stadthagen versorgt „World of Video“ die Kunden mit aktuellen aber auch älteren Filmen.

Insgesamt hat der Home-Video-Markt – der Kauf- sowie Leihvideos einschließt, den Bereich „Subscription-Video-on-Demand“ (SVoD), also Stream-Abonnement-Anbieter wie Netflix, Amazon Prime Video, Sky Go oder Maxdome, aber ausnimmt – für einen Umsatz von fast 1,5 Milliarden Euro gesorgt. Das ist ein Rückgang um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Noch stärker, nämlich um 14 Prozent gesunken sind dagegen die Umsätze speziell im Leihvideobereich. Mit einem Gesamtumsatz von 222 Millionen Euro machte dieser noch 15 Prozent der Home-Video-Ausgaben aus. Rechnet man die digitalen Angebote heraus und konzentriert sich einzig auf die physischen Leihvideos, wird der Negativtrend besonders deutlich: Dort sank der Umsatz um mehr als ein Viertel, genau: 27 Prozent, auf 121 Millionen Euro. Der DVD-Verleih ging um 31 Prozent zurück, der Bluray-Verleih um 18 Prozent.

Die „gute“ alte Videokassette gehört schon lange der Vergangenheit an.

Videotheken bieten oftmals eine breitere Auswahl an Filmen als Streaming-Dienste

Doch die Tatsache, dass es zum Beispiel in Stadthagen („World of Video“), Rodenberg („Cinema Home“) und Bückeburg („Empire“) immer noch Videotheken gibt, obwohl zum Beispiel Streamingportale immer stärker wachsen, spricht auch für das vermeintlich veraltete Angebot: Vergleichbare VoD-Anbieter im Netz sind nämlich oft eher auf neue Produktionen fokussiert. Ältere oder unbekanntere Filme sucht man dort meist vergeblich. Und auch mit Blick auf bestimmte Genres wird es auf besagten Plattformen schnell ziemlich dünn – zum Beispiel im Horrorbereich oder allgemein bei Filmen, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind. Auch von diesen gibt es bei digitalen Anbietern oft nur eine sehr beschränkte Auswahl.

Manchmal hilft beim Überleben aber auch Kreativität: „Cinema Home“ in Rodenberg bietet zusätzlich zu den Leihvideos mittlerweile auch Produkte für den Heimtierbedarf an.

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